Unser Luther? Bild und Bedeutung des Reformators in heutiger Zeit

Luther_2017_cutDie Überschrift ist provozierend gemeint. Denn Luther gehört nicht uns, sondern dem Ereigniszusammenhang des 16. Jahrhunderts. Seitdem ist er allerdings immer wieder für die Interessen späterer Zeiten  vereinnahmt worden. Deshalb wird  der Vortrag kritisch fragen, was von den Lutherbildern früherer Zeiten zu halten ist und inwiefern Luther auch heute noch in seinen geschichtlichen Fernwirkungen vital erscheint.

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Der böhmische Utraquismus im europäischen Kontext

chleba_na_stoleDie Anfänge des böhmischen Utraquismus reichen bis in die Zeit zurück, die in den böhmischen Ländern noch zum Hochmittelalter gezählt wird, d. h. in das frühe 14. Jahrhundert. Die Bemühungen um eine Reform der Kirche gingen damals aus deren eigenen Reihen hervor. Im 13. Jahrhundert waren die neuen Bettelorden zu Trägern der Reformbewegung geworden, ebenso wie verschiedene andere christliche Gruppen und Bekenntnisse, von denen sich etliche im Lauf der Zeit außerhalb des Rahmens der offiziellen Kirche wiederfanden und als ketzerisch bezeichnet wurden. Erwähnen sollte man hier vor allem die Waldenser, deren Lehre im 15. Jahrhundert in Böhmen auf fruchtbare Weise mit der utraquistischen Reformbewegung zusammentraf. Wenn wir allgemein über die böhmischen Länder sprechen, dann stieß die Reformbewegung im 14. und 15. Jahrhundert in Böhmen auf größeren Widerhall, während Mähren unter dem Einfluss der herrschenden Luxemburger Sekundogenitur eine konservativere Entwicklung durchlief. Celý příspěvek

Reformation. Erbe und Verpflichtung

Evangelisch-Sein im Lande von Jan Hus und Hieronymus von Prag heute

Logo ČCE_printIm Osten der Tschechischen Republik liegt Valašsko, die Walachei, eine Gegend, in der es noch fast so etwas wie eine evangelische Volkskirche gibt. In so gut wie jedem Ort steht eine evangelische Kirche mit Turm und daneben ein Pfarrhaus. Jeden Sonntag versammeln sich hier Hunderte von Menschen zum Gottesdienst in den Gemeinden der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder. In vielen Orten gibt es gute Beziehungen zwischen Bürgergemeinde und Christengemeinde. Man lebt zusammen wie in einer großen Familie. Zum Beispiel in Kateřinice. Zwei Kilometer entfernt finden wir die Gemeinde Ratiboř. Zwei Gemeinden, die durch ein Pfarrersehepaar viele neue Impulse bekommen haben. Seit fünf Jahren veranstalten die Gemeinden jeden Sommer ein musikalisches Jugendcamp mit Handglocken. Mädchen und Jungen, die gerade in die Schule gekommen sind, sind hier genauso dabei wie Jugendliche um die zwanzig. Auch dieses Jahr sind wieder fünfzehn Jugendliche mit ihrem Handglocken-Lehrer aus dem amerikanischen Pittsburgh in die Walachei gekommen, um gemeinsam mit den jungen Leuten aus Tschechien und auch aus der Slowakei eine Woche lang zu musizieren. Achtzig Jugendliche sind es dieses Jahr, die sich in der örtlichen Schule einquartiert haben und nun miteinander üben und feiern, um am Ende der Woche in einem Gala-Konzert in der Kirche von Ratiboř den Menschen eine Freude zu machen. Am Sonntag treffen sich alle in der Kirche. Die Gäste und die Einheimischen feiern mit einander Gottesdienst. Der Bürgermeister bedankt sich bei den Gästen für den Unterricht, für die Liebe und Sorgfalt bei der Gestaltung des gemeinsamen Programms. Es ist faszinierend, was hier möglich ist – in Tschechien, in einem Land, von dem man sagt, dass es zu den säkularsten Ländern der Welt gehört. Eine Tour durch die 250 Gemeinden der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder in Tschechien hätte noch viele weitere Überraschungen zu bieten, was in so einer kleinen Diaspora-Kirche mit gerade einmal 80 000 Gemeindegliedern (also weniger als ein Prozent der Gesamtbevölkerung) alles möglich ist. Und ohne Zweifel ist dies auch in anderen Kirchen der Tschechischen Republik der Fall. Alle Kirchen sind eine Minderheit. Die größte Kirche in Tschechien ist die römisch-katholische Kirche. Doch auch ihre Mitgliederzahl liegt nur bei ca. zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Celý příspěvek